Wie Blinde sehen

20.8. Mit Brigitte Schick aus Bretten, selbst blind, und ihrem Führhund Timi gab es im Apothekenmuseum einen launig vergnüglichen Abend.

Von ihren fünf Sinnen benutzen Menschen überwiegend das Sehen. Deshalb stellen sich viele die Frage, wie sehen Blinde? Brigitte Schick mit ihrem übersprudelnden Optimismus meinte, „ich habe als Blinde Sehenden vieles voraus.  Ich sehe mit anderen Sinnen, ich höre, rieche, schmecke und fühle“.  Sie riecht ihre   Wege. Wenn sie vor ihrer Haustür steht erkennt sie das  am Geruch der Pflanzen im Vorgarten. Sie hört das Müllauto schon lange bevor es zu sehen ist. Sie redet und schaut die Zuhörer an. Ihre Hände können durch Tasten über die Blindenschrift dabei lesen. 

Sie kauft ihre Kleidung nach dem Fühlen. Es muss sich gut anfühlen. „Und was ist mit den Farben?“, fragt eine eine Zuhörerin. Da helfen kleine Geräte, die entsprechend Farben ansagen. Überhaupt gibt es heute viele sprechende digitale Geräte, auch beim Online-Banking, die ihr im Alltag helfen, zum Beispiel ihre Küchenwaage. Es gibt aber auch ganz simple Hilfsmittel. So hat sie immer etwas erhöhte durchsichtige Klebepunkte dabei. Damit markiert sie  den Klingelknopf bei einem Freund, der im Hochhaus lebt. Oder die Türklinke in einem Hotelzimmer. 

Diese Tipps sind auch für Sehbehinderte hilfreich. Man muss sich immer zu helfen wissen. Statt einer Kanne benutzt sie eine Kaffeemaschine, die den Kaffee in Tassen abgibt. Überhaupt: Optimismus und Lebensfreude, die Suche nach Lösungen. hilft nicht nur Blinden. 

Brigitte Schick ist seit Jahrzehnten für Blinde und Sehbehinderte engagiert. Sie wünscht sich einen normalen, nicht krampfhaften, Umgang. Im Umgang mit Behinderungen sei es generell wichtig, nicht übergriffig zu sein und Betroffenen nicht ständig Dinge abnehmen zu wollen. Höflich sei, bei Essenseinladungen darauf zu achten, dass Teller und Unterlagen kontrastreich sind und Gläser auf Untersetzern stehen. Oder schlicht zu sagen. dass das Fleisch auf dem Teller auf „Zwölf“ liegt, die Spätzle darunter auf „12.30“ und so weiter. Ihre mitgebrachte Brillen ergänzten Eindrücke, welche Sehbehinderungen sich wie auswirken.

Jörg Tauss bedanke sich bei Brigitte Schick. Man will sich bemühen, das Museum für Sehbehinderte und Blinde erfahrbarer zu machen. Dabei sagte Brigitte Schick gerne ihre Hilfe zu.

An diesem  Abend war die Strassenbeleuchtung in Gochsheim plötzlich vollständig ausgefallen. So hatten die Besucherinnen und Besucher gleich eine praktischen Möglichkeit zu erfahren, wie sehen Blinde.